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TCM

traditionelle chinesische medizin

Was die Traditionelle Chinesische Medizin über Ernährung sagt, wie ich sie in den Rezeptheften nutze und was davon belegt ist.

Jedes Rezeptheft von albkreis hat eine Seite zur Konstitution. Sie ordnet das Gericht nach zwei alten Lehren ein, dem Ayurveda und der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM.

was es ist

Die chinesische Medizin hat sich über Jahrtausende entwickelt.1 Ihr ältester und wichtigster Lehrtext ist der Innere Kanon des Gelben Kaisers, der Huangdi Neijing.2 Er wurde vor mehr als 2.000 Jahren zusammengestellt und steht seit 2011 im Register des Weltdokumentenerbes der UNESCO.2 Was heute unter dem Namen TCM gelehrt wird, ist eine Neufassung dieser Überlieferung, die in den 1950er-Jahren in der Volksrepublik China entstand.3, 4 Zur TCM gehören Akupunktur, Kräuterheilkunde, die manuelle Therapie Tuina, Bewegungsformen wie Tai Chi und Qigong und die Ernährungslehre.5

Ein Grundbegriff ist die Lebenskraft Qi.4 Sie fließt nach dieser Lehre ungehindert im Körper, solange Yin und Yang im Gleichgewicht sind.4 Yin und Yang sind zwei gegensätzliche Kräfte, die voneinander abhängen, einander ergänzen und ineinander übergehen.4 Yin steht für Ruhe, Kühle, Nacht und Substanz, Yang für Aktivität, Wärme, Tag und Energie.4, 5

Aus ihnen gehen nach dieser Lehre die fünf Wandlungsphasen hervor, Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.4 Sie heißen auch die fünf Elemente; der Name Wandlungsphase betont den steten Wandel.5 Holz gehört zum Frühling, Feuer zum Sommer, Erde zum Spätsommer, Metall zum Herbst und Wasser zum Winter.5 Der Spätsommer ist in der TCM eine eigene Jahreszeit, die Zeit der Ernte nach dem Sommer.5 Jeder Phase sind außerdem ein Geschmack und bestimmte Organe zugeordnet, dem Holz etwa der saure Geschmack sowie Leber und Gallenblase.5 Die TCM versteht die Organe dabei als Funktionskreise.4, 6

Lebensmittel haben in der TCM außerdem ein Temperaturverhalten und gelten als heiß, warm, neutral, kühl oder kalt.6 Gemeint ist die Wirkung, die ihnen zugeschrieben wird, unabhängig von der messbaren Temperatur.7 Als heiß gelten überwiegend Gewürze wie Zimt und Pfeffer, als kalt überwiegend Obst, Gemüse und Salat; die meisten Grundnahrungsmittel gelten als neutral.6 Auch die Zubereitung zählt mit: Rösten, Braten, Grillen und Backen wärmen, Rohkost, Keimen und Einweichen kühlen.6, 7

in der Küche

Nach chinesischem Verständnis richtet sich die Ernährung nach dem einzelnen Menschen, nach Jahreszeit und Witterung.7 Im Sommer gehört nach dieser Regel mehr Kühlendes auf den Tisch, im Winter mehr Wärmendes.7 Wer leicht friert und rasch müde wird, isst nach dieser Lehre eher Wärmendes wie Ingwer, Zimt oder warme Suppen.7 Wer sich leicht erregt und schlecht schläft, wählt eher Kühlendes wie Obst oder grünen Tee.7

Besonderes Gewicht hat die Mitte, die Wandlungsphase Erde.5 Ihr Geschmack ist süß, und dazu zählen auch Getreide, Karotte und Kürbis.7 Bei milder Hitze gegarte Getreidegerichte wie Suppe oder Brei bilden die Grundlage der Ernährung.7 Für Gesunde gilt, ähnlich wie im Ayurveda, auszuprobieren, was als wohltuend empfunden wird.7

in meinen Heften

Auf der Seite zur Konstitution folgt auf den Ayurveda die Einordnung nach den fünf Wandlungsphasen. Für jede Phase zeige ich, welcher Geschmack zu ihr gehört und ob er im Rezept schon vorkommt oder sich als kleine Ergänzung anbietet, etwa ein säuerlicher Apfel für das Holz oder eine Prise Ingwer für das Metall. Die Zubereitung zähle ich mit, Backen etwa gilt als wärmend.6 Die Einordnung ist als Orientierung und Küchenidee gedacht. Als Diät oder Therapie ist sie nicht gemeint.

was belegt ist

Die chinesische Ernährungslehre wurzelt in der fernöstlichen Philosophie und sieht sich selbst als Kunst.7 Bewertet man sie nach Energie- und Nährstoffgehalt, entspricht sie weitgehend den Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung.7 Die Zuordnung der Lebensmittel zu Yin und Yang und zu den Wandlungsphasen liegt außerhalb dessen, was die Ernährungswissenschaft beurteilen kann.7 Ob eine Ernährung nach TCM therapeutisch wirkt, ist in der Regel wissenschaftlich nicht gesichert.7 Ob etwas als warm oder kühl gilt, wurde traditionell vor allem aus dem Empfinden abgeleitet.8 Ingwer fühlt sich beim Kauen warm an, Minze kühl.8 Nach einer Übersichtsarbeit von 2021 sucht die Forschung noch nach den messbaren Grundlagen dieser Einteilung.8 Auch Diagnosen nach der TCM fallen je nach Therapeut unterschiedlich aus.9 In einer systematischen Übersicht stimmten Therapeuten, die dieselbe Person untersuchten, meist nur gering bis mäßig überein.9 Die Weltgesundheitsorganisation führt Diagnosen aus der alten chinesischen Medizin in einem eigenen, freiwillig nutzbaren Kapitel ihrer Klassifikation der Krankheiten (ICD-11).10 Damit trifft sie ausdrücklich keine Aussage über wissenschaftliche Gültigkeit oder Wirksamkeit.10 TCM ersetzt keine ärztliche Behandlung.

Quellen

  1. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH), National Institutes of Health: Traditional Chinese Medicine: What You Need To Know. Bethesda (Maryland), Stand April 2019. online
  2. UNESCO: Huang Di Nei Jing (Yellow Emperor’s Inner Canon); Eintrag im Register Memory of the World, eingereicht von China 2010. Paris, aufgenommen 2011. online
  3. Elisabeth Hsu: The History of Chinese Medicine in the People’s Republic of China and Its Globalization. East Asian Science, Technology and Society 2 (4), S. 465–484, 2008. online
  4. Karin Schiele: Traditionelle Chinesische Ernährung. Teil 1: Hintergründe und Prinzipien. Ernährungs-Umschau 54 (1), S. 4–7, 2007. online
  5. Beatrice Trebuth, Franziska Trebuth: Handbuch TCM-Ernährung. Fünf Elemente Ernährung & Diätetik; Leseprobe S. 10–19. TRIAS, Stuttgart, 2025. online
  6. Uwe Siedentopp: TCM: Ernährung in der chinesischen Medizin. Georg Thieme Verlag, Portal Natürlich Medizin!, Stuttgart, 2024, zuerst in zkm 2/2018. online
  7. Karin Schiele: Traditionelle Chinesische Ernährung. Teil 2: Nahrungsauswahl und ernährungsphysiologische Bewertung. Ernährungs-Umschau 54 (2), S. 60–63, 2007. online
  8. Juan Liu, Wuwen Feng, Cheng Peng: A Song of Ice and Fire: Cold and Hot Properties of Traditional Chinese Medicines. Frontiers in Pharmacology 11, Artikel 598744, 2021. online
  9. Eric Jacobson, Lisa Conboy, Dolma Tsering, Monica Shields, Patrick McKnight, Peter M. Wayne, Rosa Schnyer: Experimental Studies of Inter-Rater Agreement in Traditional Chinese Medicine: A Systematic Review. Journal of Alternative and Complementary Medicine 25 (11), S. 1085–1096, 2019. online
  10. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Frequently asked questions: Traditional medicine (zum Kapitel Traditionelle Medizin der ICD-11). Genf, ohne Jahr, abgerufen am 25.10.2026. online

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  • AyurvedaWas die alte indische Lehre über Ernährung sagt, wie ich sie in den Rezeptheften nutze und was davon belegt ist.

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