was es ist
Malachit ist ein Kupfermineral, chemisch ein Kupfercarbonat mit Hydroxid: Cu2(CO3)(OH)2.1 Rund 57 Prozent seines Gewichts sind Kupfer.2, 3 Das Kupfer gibt ihm auch die Farbe. Malachit ist immer grün, in Tönen von Hellgrün bis fast Schwarz.4, 3
Typisch sind traubige, nierige oder tropfsteinartige Krusten, die innen aus feinen, strahlig angeordneten Fasern bestehen.1 Aufgeschnitten zeigen sie die Bänderung, für die Malachit bekannt ist: Lage um Lage, abwechselnd hell und dunkel, oft in Ringen um einen Mittelpunkt.5, 4
Wie die Bänder entstehen, wird unterschiedlich erklärt. Gemmologische Darstellungen führen sie auf die wechselnden Lösungen zurück, aus denen der Stein gewachsen ist.6 Eine Studie von 2020 nennt ihre Herkunft dagegen ein ungelöstes Problem der Geologie und hält chemisch schwingende Reaktionen beim Wachsen für eine plausible Erklärung.4
Der Name geht nach den mineralogischen Nachschlagewerken auf das griechische Wort für Malve zurück.1, 7 Schon Plinius erklärt im 1. Jahrhundert den Namen eines tiefgrünen Steins, molochitis, mit der Farbe der Malve; auf diesen Stein geht die heutige Form des Wortes zurück.8, 9 Manche Darstellungen leiten den Namen dagegen vom griechischen malakos ab, weich oder mild.10
woher er kommt
Malachit entsteht, wo Kupfererze nahe der Erdoberfläche verwittern.11, 3 Dieser Bereich einer Lagerstätte heißt Oxidationszone. Dort scheidet sich Malachit aus kupferhaltigem Wasser ab, oft als Kruste in Hohlräumen und Klüften.1, 4 Weil er an der Oberfläche der meisten Kupferlagerstätten liegt, war er in alter Zeit das früheste und wichtigste Kupfererz.5
Berühmt waren die Vorkommen im Ural. Aus den Gruben bei Nischni Tagil und um Jekaterinburg kamen große, reine Massen, oft mehrere Zentner schwer.1, 2 Bei Nischni Tagil saß der Malachit in Nestern auf Klüften im Kalkstein.11 Auch in Deutschland gibt es Fundstellen, etwa bei Betzdorf im Siegerland und bei Dillenburg.2, 12
Das meiste Material für Schmuck und Kunsthandwerk kommt heute aus der Region Katanga in der Demokratischen Republik Kongo.7, 10, 13 Weitere Vorkommen liegen unter anderem in Sambia, Simbabwe, Namibia, Chile, Australien und Arizona.1, 7, 12
Im Kongo stammt Malachit aus Kupferminen, zu denen Händler keinen Zutritt haben. Gekauft wird an zentralen Stellen, an denen Material aus vielen Minen zusammenkommt; aus welcher Grube ein Stück stammt, lässt sich deshalb oft nur vermuten.13
in der Geschichte
Kupferminerale wie Malachit wurden zu Perlen und Farben verarbeitet, lange bevor jemand Kupfer schmelzen konnte; grüne und blaue Perlen sind seit dem 11. Jahrtausend vor Christus belegt.14 In Belovode in Serbien, wo die ältesten direkten Belege für das Schmelzen von Kupfererz gefunden wurden, haben die Bewohner um 5000 vor Christus Malachitperlen gebohrt und poliert. Auch das Erz, das sie schmolzen, war sehr wahrscheinlich ein oxidisches Kupfererz wie Malachit.14
In Ägypten war Malachit zuerst Schminke. Fein gemahlen diente er schon in vordynastischer Zeit als grüne Augenfarbe, nachweisbar bis mindestens in die 19. Dynastie.5, 7 Rohe Stücke gab man den Toten in kleinen Beuteln aus Leinen oder Leder mit; gerieben wurde der Stein auf Paletten.5 In Grabmalereien ist er seit der 4. Dynastie nachgewiesen, gewonnen wurde er auf dem Sinai und in der Östlichen Wüste.7, 5 Am wichtigsten war er dort als Erz für die Kupfergewinnung.5
Als Schmuckstein haben die Ägypter Malachit nur selten verarbeitet. Manches, was als Malachit beschrieben wurde, hat sich bei genauer Prüfung als Türkis, grüner Feldspat oder Beryll erwiesen.5 Strittig ist auch der ägyptische Name: George Frederick Kunz gibt 1913 mafek an; nach Alfred Lucas bezeichnet dieses Wort, mafkat, den Türkis, und Malachit hieß shesmet.15, 5
Griechische und römische Autoren nannten den Stoff meist chrysocolla, Goldleim, weil man ihn zum Löten von Gold verwendete.7 Als grünes Pigment findet er sich in römischer Wandmalerei, etwa in Neros Goldenem Haus, und in mittelalterlichen Handschriften. In der europäischen Tafelmalerei war er vor allem im 15. und 16. Jahrhundert wichtig, nachgewiesen ist er etwa im Genter Altar (um 1432). Für ein kräftiges Grün muss er grob gemahlen werden; fein gemahlen wird er blass.7
In China ist Malachit in den Wandmalereien von Dunhuang aus dem 9. und 10. Jahrhundert nachgewiesen, in Japan in den buddhistischen Wandbildern des Tempels Hōryū-ji aus dem 7. und 8. Jahrhundert. Japanische Maler haben ihn unter dem Namen Rokusho bis ins 20. Jahrhundert verwendet.7
Aus dem Malachit des Ural entstanden Vasen, Säulen, Schalen, Leuchter und Tischplatten. Dafür wurde der Stein auch in dünne Platten gesägt und wie ein Furnier auf andere Steine oder Platten gesetzt.11, 2 Im Winterpalast in Sankt Petersburg gestaltete Alexander Brjullow 1839 den Malachitsaal als Empfangssalon der Kaiserin Alexandra Fjodorowna. Seine Malachitverkleidung und viele seiner Möbel sind in einer Technik gearbeitet, die die Eremitage russisches Mosaik nennt.27
was ihm zugeschrieben wird
Plinius lobt im 1. Jahrhundert den molochitis als Stein für Siegel und als Schutz für kleine Kinder und schreibt ihm eine angeborene Kraft gegen Gefahren zu.8 Ob er derselbe Stein war, ist unsicher: Den Stoff, den wir heute Malachit nennen, führten antike Autoren meist unter dem Namen chrysocolla.7
Mittelalterliche und frühneuzeitliche Steinbücher, die George Frederick Kunz 1913 ausgewertet hat, schreiben ihm Ähnliches zu. An der Wiege befestigt, sollte ein Stück Malachit böse Geister fernhalten und dem Kind ruhigen Schlaf geben. In Teilen Deutschlands galt er wie der Türkis als Schutz vor Stürzen und sollte durch Zerspringen vor nahendem Unheil warnen. Mit einem eingravierten Sonnenbild galt er als Talisman gegen Zauber, böse Geister und giftige Tiere.15
In Italien, etwa in Bettona, trug man Malachit als Amulett gegen den bösen Blick. Seine Zeichnung erinnerte an ein Auge, und die meist dreieckigen, in Silber gefassten Stücke hießen Pfauensteine, weil sie in Farbe und Zeichnung dem Schwanz des Pfaus glichen.15 Für das alte Ägypten nennt das Museum für Naturkunde Chemnitz Amulette aus Malachit, die vor dem Bösen schützen sollten;16 nachgewiesen sind solche Stücke allerdings nur selten.5
In der heutigen Steinheilkunde gilt Malachit als Stein der Wandlung und als Schutzstein, und er wird dem Herzchakra zugeordnet.17, 18 Für solche Zuschreibungen gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.19 In zwei Versuchen des Londoner Psychologen Chris French machte es für die Empfindungen der Teilnehmer keinen Unterschied, ob sie einen echten Kristall oder eine gleich aussehende Attrappe aus Glas in der Hand hielten.20
in der Werkstatt
Mit einer Mohshärte von 3,5 bis 4 ist Malachit weich; einzelne Angaben reichen bis 4,5.1, 6 Er spaltet in einer Richtung vollkommen und ist spröde, deshalb sollte er vor Stößen geschützt werden.1, 11 In Ringen und Armbändern sollte er geschützt gefasst sein, in Ohrringen, Anhängern und Broschen ist er weniger gefährdet.6
Säure verträgt er nicht. Schon verdünnte Essigsäure zersetzt ihn, dabei perlt Kohlendioxid auf.7 Auch Ammoniak löst ihn an.11 Ein Malachit gehört deshalb weder in Essig noch in saure oder ammoniakhaltige Reiniger. Zum Reinigen genügt warmes Seifenwasser.21
Auch Hitze schadet ihm: Ab etwa 200 Grad gibt er Wasser ab und beginnt sich zu zersetzen, am Ende bleibt schwarzes Kupferoxid.7, 22 Goldschmiede berichten, dass schon die Reibungswärme beim Polieren schwarze Flecken erzeugen kann.23 Ins Ultraschallbad gehört Malachit nicht, zumal er im Handel häufig mit Öl, Wachs oder Kunststoff behandelt ist.21
Als Kupferverbindung ist Malachit gesundheitsschädlich, wenn man ihn verschluckt oder seinen Staub einatmet.22 Gefährlich ist deshalb vor allem der Staub beim Sägen, Schleifen und Bohren; bearbeitet werden sollte er nur mit Schutzmaßnahmen.3, 6 Fertigen Schmuck zu tragen gilt als sicher.6
Steinschleifer berichten in Foren übereinstimmend, dass sie Malachit nur nass schleifen; einige tragen zusätzlich eine Atemschutzmaske, manche schleifen ihn gar nicht.24, 25, 26 Als Pulver ist der Stoff für Wasserorganismen sehr giftig, der Schleifschlamm gehört deshalb nicht in den Ausguss.22
Stücke damit
Quellen
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- Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA): GESTIS-Stoffdatenbank: Kupfer(II)-hydroxidcarbonat, CAS 12069-69-1. DGUV; Einstufung: gesundheitsschädlich bei Verschlucken und Einatmen, sehr giftig für Wasserorganismen, Zersetzung ab 200 °C, abgerufen 25.10.2026. online
- Forumsbeiträge mehrerer Goldschmiede: Malachite disaster. Ganoksin Orchid, Diskussionsfaden vom 23. bis 25.06.2011 (Erfahrungsbericht), 2011. online
- Forumsbeiträge, International Association of Penturners: Info on turning Malachite. penturners.org, Diskussionsfaden vom 19. und 20.12.2012 (Erfahrungsbericht), 2012. online
- Forumsbeiträge, IGS Forums: Ventilation. forums.gemsociety.org, Diskussionsfaden vom 20.04. bis 02.05.2020 (Erfahrungsbericht), 2020. online
- Forumsbeiträge, Rock Tumbling Hobby: respirator while cabbing??. forum.rocktumblinghobby.com, Diskussionsfaden vom 22.01.2024 (Erfahrungsbericht), 2024. online
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